Abwerben von Jugendspielern: Was soll das?

Die „Leuchttürme des Saarfußballs“ und ihr massives Abwerben von Jugendspielern

 

 

Uwe Blauth: "Wehret den Anfängen"

Uwe Blauth: „Wehret den Anfängen“

Der FV 09 Bischmisheim bezieht Position. Und setzt sich gegenüber dem massiven Abwerben von Jugendspielern bereits ab der D-Jugend abwärts zur Wehr. Neben einer entsprechenden Klage gegen dem Verbandstag des SFV hat Jugendkoordinator Uwe Blauth dem „saaramateur“ eine ausführliche Stellungnahme zu diesem Thema geschickt, die in der Ausgabe vom 8. April 2014 veröffentlicht wurde und unmittelbar nach Erscheinen bereits viel Echo gefunden hat. Da der ehemalige Auswahlspieler und lizensierte Trainer (A-Lizenz) mit mehrjähriger Trainererfahrung im Aktiven- und im Jugendbereich sowie am DFB-Stützpunkt damit die Meinung des FV 09-Vorstandes vertritt, veröffentlichen wir seinen Beitrag selbstverständlich im FV 09-Internet an dieser Stelle.

„Das Thema Kinder-und Jugendfußball ist dankbar, seine Behandlung  mit Blick in die Zukunft zugleich lohnenswert.  Doch das unsägliche Abwerben von Jugendspielern  bei  bereits  E- und D- Jugendlichen, eine Thematik, die schon seit langer Zeit für Unbehagen bei dem ein oder anderen Vereinsverantwortlichen sorgt.

Trainer, Betreuer und sonstige Vereinsfunktionäre gehen immer häufiger auf die Jagd nach Talenten. Besonders begabte Nachwuchsfußballer sind anscheinend ein immer knapper und damit immer kostbar werdendes  Gut. Mittlerweile entpuppen sich immer öfter die Trainer und Betreuer im Hintergrund als treibende Kraft des Jugend-Spielerkarussells.  Offenbar kennt der Ehrgeiz einiger Verantwortlicher kaum Grenzen, wenn es darum geht, frische Talente in die eigenen Reihen zu lotsen. Hemmungslos werden Leistungsträger anderer Vereine dazu ermuntert, ihren Teams den Rücken zu kehren.

FV 09 (erneut) direkt betroffen

Ein besonders krasses Beispiel müssen wir aktuell vom FV 09 Bischmisheim versuchen zu verkraften.

Der Verein, die Eltern und die Jugendspieler selbst sind stolz auf die aktuellen Jahrgänge der D-Jugend (Titelfoto der Jungs kurz vor dem Gewinn der Hallenstadtmeisterschaft), die schon seit Jahren sportlich beachtliches geleistet haben. Erreicht wurde dieses gute und ausbaufähige Niveau durch die Spielfreude und den Zusammenhalt der Spieler und Eltern im Verein, sowie durch eine gute und konsequente Trainingsarbeit bis hin zum individuellen, zusätzlichen Fördertraining, welches von Vereinsseite den Jugendlichen angeboten und von den Kindern dankbar angenommen wurde. Und wird.

Aktuell werden mehrere Spieler des jüngsten D-Jugendjahrgangs massiv von Seiten des 1.FC Saarbrücken und des SV Elversberg  angesprochen und zum Vereinswechsel gedrängt – mit fatalen Folgen für die Mannschaft , den Verein und nach unserer Auffassung vor allem für die Jugendlichen selbst.

Die Kinder – im D-Jugendbereich darf und muss man sicherlich noch von Kindern sprechen – sind natürlich leicht zu begeistern und geben dem Begehren nur allzu unreflektiert nach. Die Eltern geraten unter Druck, werden  hofiert und träumen von der großen Karriere ihrer Sprösslinge. Die Mitspieler sind irritiert und geschockt, sie fürchten um die Stärke „Ihrer“ Mannschaft und wollen nun aus eigenem Antrieb heraus ebenfalls den Verein wechseln, weil –

  • Wenn die gehen macht es keinen Spaß mehr !!!
  • Sind wir in der nächsten Saison nicht mehr so stark !!!
  • Wenn meine Kumpels weg sind, gehe ich zu meinen anderen Kameraden in den  Nachbargemeinden !!!
  • Der Verein und unsere Trainer geben sich ja alle Mühe aber ohne meine Mitspieler macht das alles keinen Sinn mehr.

Dies sind die Aussagen und „kindlichen Argumente“, mit denen die Verantwortlichen des Vereins konfrontiert werden, und denen wir und viele Eltern ohnmächtig  gegenüberstehen. Diese Dynamik hat uns ungebremst getroffen, sie ist so stark geworden ,das wir allen Ernstes befürchten müssen, im Spieljahr 2014/2015 ab August 2014 keine eigene D-Jugend mehr stellen zu können, obwohl  aktuell 2 D-Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnehmen.

Es macht schlicht weg keinen Sinn, 11 bis 13 jährige frühzeitig aus Ihrer gewohnten sportlichen und sozialen Umfeld in dieser Art und Weise herauszureißen.  Was führende Vereine aus der 1. Bundesliga erkannt haben, was allgemeiner Konsens und Stand der Sportwissenschaft im Bereich Ausbildung von Kinder- und Jugendlichen Fußballern ist, wird vom 1. FC Saarbrücken und der SV Elversberg negiert – zu Lasten der Jugendlichen und Ihrer Vereine.

Jugendarbeit des FCS ruft Kopfschütteln hervor

Gerade die Jugendarbeit des 1.FC Saarbrücken gibt schon seit Jahren  Anlass zu Kritik und zum Kopfschütteln. Wer hinter die Kulissen schaut, dass Auftreten der Jugendmannschaften inkl. Trainer und Betreuer in den Jahrgängen der C-Jugend abwärts verfolgt, kann nur den Kopf schütteln. Wo ist ein durchgängiges und gelebtes Konzept, welches die Ausbildung der Spieler, die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler  und die Verzahnung innerhalb der Jugendabteilung in den Vordergrund stellt und nicht das gewonnene Spiel am Wochenende? Wo sind die Jugendtrainer, denen es nicht vorrangig um das das Spielergebnis geht sondern um die altersgerechte, qualifizierte sportliche und persönliche Entwicklung des einzelnen Spielers ? Fehlanzeige.

Praktiziert wird das Gegenteil – mit fatalen Folgen wie oben geschildert für die vielen kleinen Vereine, die auf diese Art und Weise langsam und schleichend ihrer Basis beraubt werden, sowohl sportlich wie vom Vereinsleben her. Am Ende des Tages sind die Vereine auch am Ende.

Nicht umsonst hat sich das „KICKER SPORTMAGAZIN“ dieses Themas angenommen. Im Artikel vom 10.01.2013 widmet sich die Fachzeitung ausführlich dieser Entwicklung.  Tenor des Artikels ist die deutliche und fundierte Kritik eines Jugendtrainers aus der Finanzmetropole Frankfurt.  Er beklagt das massive und unreflektierte Abwerben von Jugendfußballern im Alter von 13 Jahren abwärts, er beklagt die Hilflosigkeit und die Folgen für die Vereine, welche diese Jugendfußballer ausbilden und neben Zeit, Engagement auch nicht unbeträchtliche finanzielle Mitteln einsetzen – ohne das sie dafür entschädigt werden. Er plädiert  – um diesem fatalen Treiben in den unteren Jugendmannschaften etwas entgegenzusetzen – für Ablösezahlungen, die z.B. in den Verbandsjugendordnungen geregelt sind, aber nicht praktiziert werden. Dabei erhält er prominente Unterstützung von Andreas Rettig, der Leiter der Kommission Nachwuchsleistungszentren des DFB war und aktuell seit 2013 DFL-Geschäftsführer ist.  Langfristig schneiden wir und alle den Ast ab auf dem wir sitzen.

Schaden für den Ruf der Großvereine

Jeder hat Verständnis, wenn im Juniorenbereich der A-und B-Jugend, an der Schwelle des Aktivenbereichs, die Jugendspieler bei leistungsstarken und leistungsorientierten Vereinen gefördert und gefordert werden. Aber die Kinder bereits im Alter von 11-12 Jahren aus Ihrer gewohnten sozialen und sportlichen Umgebung herauszureißen, hat mit guter und nachhaltiger Jugendarbeit nichts zu tun, im Gegenteil. So wir sich z.b. der FC Saarbrücken im Profibereich präsentiert, so handelt er aktuell auch auf diesem Feld bei der Nachwuchsarbeit bei den jüngsten. Wen wundert in diesem Zusammenhang der schlechte Ruf des Vereins ?

Auch die SV Elversberg hat sich inzwischen nach Meinung vieler Beobachter durch das frühe Abwerben von Kindern – und Jugendlichen auf diesem Gebiet eine schlechten Ruf bei seinen Nachbarvereinen. Nicht alles was vorgemacht wird ist auch gut und sinnvoll.

Auch dem saarländischen Fußballverband kann diese Entwicklung nicht verborgen geblieben sein, sie kann ihm aber auch nicht egal sein. Sicherlich muss der Verband ein Interesse an hochklassig spielenden, starken und leistungsfähigen Vereinen haben. Gleichzeitig darf er seine Basis, die kleinen Vereine, nicht aus den Augen verlieren, er muss sie fördern und wenn angebracht auch schützen.

Aus der geschilderten und beschriebenen Situation heraus wird der FV 09 Bischmisheim auf dem bevorstehenden Verbandstag einen entsprechenden Antrag stellen, in denen die Situation beschrieben und daraus folgernd die Forderung erhoben wird, die Ausgangslage für die kleinen Vereine zu verbessern, sie künftig vor solchen Übergriffen der Großvereine / Nachbarvereine zu schützen. Aufgrund der allgemein bekannten demographischen Entwicklung ist zu befürchten, dass sich die Problematik noch verschärfen wird.

Daher – wehret den Anfängen.“

Uwe Blauth

Anmerkung der Redaktion: Am 8. April erreichte uns folgender Leserbrief eines Vereinsverantwortlichen aus Wadrill:

Hallo Herr Blauth,
mit ihrem Leserbrief im saaramateur sprechen sie vielen kleinen Vereine, Jugendleitern und Ehrenamtlichen Jugendtrainern aus dem Herzen. Der 1.FCS und die SVE sind aber nur die Spitze des Problems. Bein uns sind es Nachbarvereine die mit ihrer Jugend in höheren Klassen spielen und Jugendspieler ab der E-Jugend abwerben. Natürlich nicht offiziell und abgestritten wird dies auch. Wir haben haben ebenfalls einige richtige gute Jugendspieler in unseren Reihen, welche gesichtet werden und auf die Stützpunkte zur Auswahlmannschaft eingeladen werden. Spätestens nach einem Jahr sind sie dann weg. Abgeworben. Wir setzen auf solche Talente, in diesem Alter können sie bei uns lernen Verantwortung zu übernehmen, fußballerisch und menschlich. Das gehört bei uns zur Ausbildung dazu.
Leider kommen wir dann nicht mehr dazu, da sie abgeworben sind.
Aktuell fischt der 1.FCS in unserer C1 herum. Wir kämpfen um den Jugendspieler und hoffen der Landeshauptstatt einen alten Schuh an den Angelhaken zu hängen.
Die Unterstützung des FC Wadrill und der JFG Stadt Wadern bei Ihrem Antrag haben sie bereits jetzt.

Dürfen wir ihren Leserbrief auf unserer Web-Seite veröffentlichen ?

Mit sportlichen Grüßen
Ralf Simon
JL FC Wadrill
GF JFG Stadt Wadern

 

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3 Antworten zu Abwerben von Jugendspielern: Was soll das?

  1. Sorry ich hatte etwas vergessen.

    An unserem nächsten Verbandstag (WFV) werde ich beantragen das kein Verein ohne Jugendarbeit Spieler unter 22 Jahren verpflichten darf. Wobei eine JSG nicht gezählt wird.

    Gruß

    Klaus

  2. Hallo Uwe,

    ich möchte Dir etwas schildern was bei uns momentan passiert. Ein Verein Türk ….. ohne eigene Jugendarbeit wirbt unsere A-Jugendspieler (momentan noch junger Jahrgang) ab. Unsere A-Jugend ist dadurch nächstes Jahr stark gefährdet. Von Handgeld ist die Rede
    (4-stellig)aber nicht beweisbar. Rechte hast Du hier als Verein mit Jugendarbeit nicht außer die paar Euros Entschädigung. Ich weiß plus 50 % plus evtl. weitere 50 %. Ein Jugendspieler F-A Jugend kostet jedem Verein mindestens 5.000 Euro bis er Aktiv spielt.

    Viele Grüße

    Klaus

  3. Hallo Uwe,
    du sprichst mir aus dem Herzen. So Einiges ist nicht mehr zu verstehen. Täglich machen eine Vielzahl von ehrenamtlichen Jugendtrainer ihre Arbeit im Jugendbereich. Je besser man sie macht, desdo größer die Gefahr, dass man gut trainierte Kinder (Fußballer) an diese sogenannten Spitzenvereine (siehe Tabellenplätze der aktiven Mannschaften und deren Spielklasse) verliert. Ich bin auch der Meinung, dass eine entsprechende Orientierung ab B-Jugend durchaus sinnvoll sein kann (nicht muss).
    Aber neben diesen Vereinen, die Kinder abwerben, gibt es ja auch noch die Beworbenen und deren Erziehungsberechtigten. Diese müssten wir überzeugen, dass ein Wechsel in diesem Alter eher kontrapoduktiv ist.
    Man sollte auch mal versuchen ihnen zu erklären, was so ein kleiner Verein für Klimmzüge machen muss, um eine ordentliche Jugendarbeit hinzubekommen. Das könnte dann dort zu einem (wünschenswerten) Umdenken führen.
    Frank Baum

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